Deutsche Grammatik nach Niveau: Welche Grammatik zählt von A1 bis C2?
Auf A1 und A2 legen Sie das Fundament: Präsens, Artikel, Akkusativ, Dativ und Perfekt. Auf B1 und B2 entscheidet sich Ihr Prüfungserfolg an Adjektivdeklination, Konjunktiv II, Passiv, Genitiv und der indirekten Rede. Ab C1 kommt keine neue Grammatik mehr hinzu – Sie verfeinern den stilistischen Gebrauch des bereits Gelernten. Diese Übersicht zeigt für jedes Niveau von A1 bis C2 die Grammatikthemen, die in den Prüfungen telc, fide und beim KDE wirklich zählen.
Schnellüberblick: Grammatik pro Niveau
Das Fundament
Präsens, Personalpronomen, bestimmter und unbestimmter Artikel, Akkusativ, Modalverben, trennbare Verben, Negation, W-Fragen, Imperativ und das Verb an Position 2.
Vergangenheit und Dativ
Perfekt, Präteritum von sein, haben und Modalverben, Dativ, Wechselpräpositionen, Komparativ und Superlativ, erste Adjektivdeklination, Relativsätze, reflexive Verben sowie Nebensätze mit weil, dass und wenn.
Das tragende Mittelfeld
Sichere Adjektivdeklination, Konjunktiv II, Passiv im Präsens, Relativsätze in allen Fällen, Genitiv, n-Deklination, Infinitiv mit zu und um … zu, Plusquamperfekt, Futur I sowie Temporal- und Konzessivsätze.
Formell und differenziert
Konjunktiv I für die indirekte Rede, Passiv in allen Zeitformen, Zustands- und Vorgangspassiv, Funktionsverbgefüge, erweiterte Partizipialattribute, Nominalisierung, Konsekutiv- und Modalsätze, Argumentationskonnektoren und Modalpartikeln.
Sicherer Gebrauch statt neuer Grammatik
Nominalstil transformieren, komplexe Konnektoren, mehrgliedrige Attribute, fein differenzierte Modalität, Textkohäsion sowie Wissenschafts- und Fachsprache. Ab hier kommt keine neue Grammatik hinzu.
Stilistische Beherrschung
Zwischen den Registern wechseln, Idiomatik, syntaktische Variation und Verdichtung, implizite Bedeutung und Ironie sowie schriftliche Abtönung – annähernd muttersprachliche Sicherheit.
Interaktiver Grammatik-Check: Wählen Sie Ihr Niveau
Wählen Sie Ihr Sprachniveau – und sehen Sie auf einen Blick, welche Grammatikthemen dort wirklich entscheidend sind. Von den ersten Sätzen auf A1 bis zur stilistischen Feinarbeit auf C2.
64 Themen – alle Niveaus
Verbkonjugation im Präsens
Das Fundament jeder Aussage – ohne sie steht kein Satz.
ich lerne, du lernst, er lernt
Personalpronomen (Nominativ)
Wer handelt? Pronomen ersetzen Namen und tragen den Satz.
ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie
Bestimmter und unbestimmter Artikel
der/die/das und ein/eine – das Geschlecht entscheidet alles Spätere.
der Tisch, eine Lampe, das Buch
Possessivartikel (Grundform)
Besitz im Nominativ anzeigen – mein, dein, sein gehören von Anfang an dazu.
Das ist mein Buch. Ist das deine Tasche?
Akkusativ
Der erste Fall nach dem Nominativ – das direkte Objekt.
Ich sehe den Mann.
Personalpronomen im Akkusativ und Dativ
Personen ersetzen, ohne den Namen zu wiederholen.
Ich sehe dich. Ich helfe ihm.
Modalverben (Grundformen)
können, müssen, möchten – Wunsch, Pflicht und Fähigkeit.
Ich kann schwimmen.
Trennbare Verben
Die Vorsilbe wandert ans Satzende – eine Eigenheit, die A1 prägt.
Ich rufe dich an. Ich stehe um sieben auf.
Negation mit nicht und kein
Verneinen gehört von Anfang an dazu.
Ich habe kein Auto. Ich komme nicht.
W-Fragen und Satzfrage
Fragen stellen ist Grundkommunikation.
Woher kommst du? Kommst du mit?
Imperativ
Bitten und Aufforderungen direkt ausdrücken.
Komm bitte her! Nehmen Sie Platz!
Hauptsatz-Konnektoren (und, oder, aber, denn)
Zwei einfache Aussagen zu einer verbinden.
Ich bleibe zu Hause, denn es regnet.
Wortstellung: Verb an Position 2
Die Grundregel des deutschen Hauptsatzes.
Heute lerne ich Deutsch.
Perfekt
Die wichtigste Vergangenheitsform im Gespräch.
Ich habe gelernt. Ich bin gegangen.
Präteritum (sein, haben, Modalverben)
Erzählende und schriftliche Vergangenheit beginnt hier.
Ich war, ich hatte, ich konnte
Dativ
Der zweite zentrale Fall – das indirekte Objekt.
Ich helfe dem Kind.
Wechselpräpositionen
Akkusativ oder Dativ? Wohin oder wo entscheidet.
Ich gehe in die Stadt. Ich bin in der Stadt.
Possessivartikel in allen Fällen
Besitz korrekt anzeigen, auch im Dativ und Akkusativ.
mit meinem Bruder, für meine Schwester
Komparativ und Superlativ
Vergleichen ist Alltagssprache.
gross – grösser – am grössten
Adjektivdeklination (Einführung)
Erste Endungen nach bestimmtem und unbestimmtem Artikel.
ein neuer Anzug, der neue Anzug
Relativsätze im Nominativ
Personen und Dinge näher beschreiben – der Einstieg.
Das ist die Frau, die nebenan wohnt.
Reflexive Verben
Viele Alltagsverben sind reflexiv.
Ich freue mich. Ich wasche mich.
Verben mit Präpositionen
Feste Verbindungen, die man einzeln lernen muss.
sich freuen über, warten auf, denken an
Nebensätze mit weil, dass, wenn
Gründe nennen und Aussagen verbinden.
Ich bleibe zu Hause, weil ich krank bin.
Konjunktiv II der Höflichkeit
Höflich bitten – lange vor der irrealen Bedingung.
Könnten Sie mir bitte helfen? Ich hätte gern …
Indirekte Fragesätze (ob, W-Frage)
Fragen in einen Satz einbetten.
Er fragt, ob du kommst. Ich weiss nicht, wann es beginnt.
Zukunft mit Präsens
Im Deutschen drückt das Präsens oft die Zukunft aus.
Morgen fahre ich nach Bern.
Adjektivdeklination (alle Typen sicher)
Die grosse Hürde – alle drei Deklinationstypen beherrschen.
ein guter Tag, der gute Tag, gutes Wetter
Konjunktiv II (Wünsche, irreale Bedingung)
Irreales und Hypothetisches ausdrücken.
Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen.
Passiv (Präsens)
Sachlich und prozessorientiert formulieren.
Das Haus wird gebaut.
Relativsätze (alle Fälle, mit Präposition)
Präzise beschreiben, auch mit Akkusativ, Dativ und Präposition.
Der Kurs, für den du dich anmeldest, beginnt morgen.
Genitiv
Besitz und Zugehörigkeit auf gehobenem Niveau.
das Auto meines Vaters
Präpositionen mit Genitiv
Schriftsprachliche Präpositionen, die den Genitiv verlangen.
wegen des Wetters, während der Woche, trotz des Regens
n-Deklination
Eine Gruppe maskuliner Nomen mit -n in fast allen Fällen.
der Kollege, den Kollegen, dem Kollegen
Infinitiv mit zu / um … zu
Absichten und Zwecke ausdrücken.
Ich lerne, um die Prüfung zu bestehen.
Plusquamperfekt
Die Vorvergangenheit – was vor etwas anderem geschah.
Nachdem ich gegessen hatte, ging ich.
Futur I (werden)
Zukunft und Vermutung mit werden ausdrücken.
Ich werde die Prüfung schaffen.
Temporalsätze (als, wenn, nachdem, bevor)
Zeitliche Abläufe klar gliedern.
Bevor ich gehe, schliesse ich das Fenster.
Konzessivsätze (obwohl, trotzdem)
Einen Gegensatz oder Widerspruch ausdrücken.
Obwohl es regnet, gehe ich spazieren.
Pronominaladverbien (wofür, dafür)
Auf Sachen verweisen statt sie zu wiederholen.
Wofür interessierst du dich? – Dafür interessiere ich mich auch.
Partizip I und II als Adjektiv
Der Einstieg in die Partizipialattribute.
das lachende Kind, der bestandene Kurs
Konjunktiv I (indirekte Rede)
Aussagen Dritter neutral wiedergeben – wichtig in Berichten.
Er sagte, er habe keine Zeit.
Passiv in allen Zeitformen und Ersatzformen
Stilistische Vielfalt im formellen Deutsch.
Das lässt sich machen. Das ist zu erledigen.
Zustandspassiv und Vorgangspassiv
Den Unterschied zwischen Vorgang und Ergebnis ausdrücken.
Die Tür wird geschlossen. Die Tür ist geschlossen.
Konjunktiv II der Vergangenheit
Irreales in der Vergangenheit – auch mit Modalverben.
Du hättest fragen sollen.
Funktionsverbgefüge
Der Schlüssel zu formeller, schriftlicher Sprache.
in Betracht ziehen, zur Verfügung stehen
Erweiterte Partizipialattribute
Dichte, schriftsprachliche Beschreibungen aus einem Partizip.
die im Jahr 2020 gegründete Firma
Nominalisierung und Verbalisierung
Zwischen Nominalstil und Verbalstil wechseln.
nach der Ankunft / nachdem er angekommen war
Konsekutiv- und Modalsätze (sodass, indem, ohne zu)
Folgen und Art und Weise präzise ausdrücken.
Er sprach laut, sodass alle ihn hörten.
Konnektoren der Argumentation
Standpunkte aufbauen und abwägen.
zwar … aber, einerseits … andererseits, je … desto
Irreale Vergleichssätze (als ob)
So tun, als wäre etwas der Fall.
Er tut so, als ob er alles wüsste.
Modalpartikeln
Den feinen Ton im Gespräch treffen, den Muttersprachler hören.
Das ist doch klar. Komm halt mit.
Subjektiver Gebrauch der Modalverben
Vermutungen mit Modalverben abstufen.
Er muss zu Hause sein. Sie könnte recht haben.
Nominalstil sicher transformieren
Texte verdichten oder auflösen, je nach Register.
aufgrund steigender Kosten / weil die Kosten steigen
Komplexe Konnektoren
Feinste logische Beziehungen ausdrücken.
insofern, sofern, indem, wohingegen
Erweiterte (mehrgliedrige) Attribute
Verschachtelte Attribute entschlüsseln und sicher bilden.
die für die kommende Prüfung besonders relevanten Themen
Modalität fein differenziert
Gewissheit und Haltung präzise abstufen.
dürfte, müsste, könnte – je nach Sicherheit
Textkohäsion und Verweismittel
Lange Texte logisch zusammenhalten.
dies, jenes, ersteres, letzteres
Wissenschafts- und Fachsprache
Präzise, unpersönliche Strukturen sicher einsetzen.
Es ist davon auszugehen, dass …
Stilistische Register
Mühelos zwischen gehoben, fachlich und umgangssprachlich wechseln.
erörtern / besprechen / bereden
Idiomatik und Phraseologie
Wie ein Muttersprachler klingen.
etwas auf die lange Bank schieben
Syntaktische Variation und Verdichtung
Komplexe Inhalte elegant und variabel bauen.
Verschränkungen, Ellipsen, Inversion
Implizite Bedeutung, Ironie, Understatement
Zwischen den Zeilen lesen und schreiben.
Das war ja eine glänzende Idee.
Diskursmarker und Abtönung (schriftlich)
Feiner als die B2-Modalpartikeln – schriftsprachliche Abtönung.
ohnehin, immerhin, allerdings, freilich
Der GER selbst schreibt keine Grammatikliste vor – er beschreibt Kompetenzen. Diese Zuordnung folgt dem Referenzwerk Profile Deutsch (A1–B2, mitherausgegeben von der Schweizer EDK) sowie den Inventaren von Goethe und telc. Ab C1 kommt keine neue Grammatik hinzu; es geht um den sicheren, stilistischen Gebrauch des bereits Gelernten. Die Übergänge zwischen den Niveaus sind fliessend.
Welche Themen lernt man auf welchem Niveau?
Anders als bei der Grammatik gibt es bei Themen keine feste Reihenfolge. Dasselbe Lernfeld kehrt auf jeder Stufe wieder – nur sprechen Sie darüber zunehmend differenziert. Wählen Sie ein Niveau und sehen Sie, was Sie zu jedem Thema sagen können.
15 Lernfelder – alle 15 Themenbereiche
Person und persönliche Angaben
Sich vorstellen, Angaben zur eigenen Person machen und erfragen.
Familie und persönliche Beziehungen
Über Familie, Freundschaft und soziale Kontakte sprechen.
Wohnen und Wohnumfeld
Wohnung, Wohnsituation und Wohnumgebung beschreiben.
Essen und Trinken
Lebensmittel, Mahlzeiten und Essgewohnheiten.
Einkaufen und Konsum
Einkäufe erledigen, vergleichen, reklamieren.
Körper, Gesundheit und Hygiene
Körper, Befinden, Arztbesuch und Gesundheit. Zentral für fide.
Arbeit und Beruf
Beruf, Arbeitsalltag und Arbeitswelt. Zentral für fide und B2B.
Ausbildung, Schule und Lernen
Schule, Aus- und Weiterbildung, Lernwege.
Reisen, Verkehr und Mobilität
Verkehrsmittel, Reisen und unterwegs zurechtkommen.
Freizeit und Unterhaltung
Hobbys, Sport, Kultur und Verabredungen.
Öffentliche und private Dienstleistungen
Post, Bank, Versicherung und Behörden. Zentral für fide und KDE.
Umwelt und Natur
Natur, Wetter, Klima und Umweltschutz.
Politik, Gesellschaft und Aktuelles
Gesellschaftliche Themen, Nachrichten und Meinungen.
Sprachen und Kommunikation
Sprachen, Verständigung und Kommunikationswege.
Wahrnehmung und Motorik
Sinne, Empfindungen und Bewegungsabläufe (Profile-Spezialfeld).
Die 15 Lernfelder stammen aus dem GER-Referenzwerk Profile Deutsch (mitherausgegeben von der Schweizer EDK), das auf der Kontaktschwelle des Europarats beruht. Profile Deutsch ordnet den Niveaus den Wortschatz innerhalb der Themen zu, nicht die Themen selbst – denn jedes Thema begleitet Sie von A1 bis C2.
